Johannes der Evangelist (der Apostel, der Theologe)

Namenstage: Johannes, Jan, Jens

Funktion: Heiliger, Apostel (einer der zwölf Jünger Jesu), Bruder des Apostels Jakobus des Älteren, Evangelist, Kanonheiliger

Gedenktag: 27. Dezember

orthodoxe Ostkirchen 8. Mai, 26. August, 26. September

Patronat: der Theologen, Bildhauer, Maler (Künstler), Buchdrucker, Papierhersteller, Buchbinder, Buchhändler, Schriftsteller, Schreiber, Beamten, Notare, Winzer, Metzger, Sattler, Glaser, Spiegelmacher, Graveure, Lithographen, Wachszieher (Kerzenmacher) und Korbmacher; für Erhaltung der Freundschaft; gegen Hagel und für eine gute Ernte Helfer bei Vergiftungen, Brandwunden, Fußleiden und Epilepsie

Über das Leben von Johannes dem Evangelisten – er soll der jüngste und der Lieblingsjünger Jesu gewesen sein – wird ausführlich in der Bibel berichtet:
Johannes wurde als Sohn des Fischers Zebedäus und dessen Frau Salome in Galiläa geboren. Er schloss sich Johannes dem Täufer an, der das Volk auf die Ankunft des Messias vorbereitete. Als Jesus an der Stelle vorbeikam, an der Johannes gemeinsam mit seinem Bruder Jakobus dem Älteren gerade Fischernetze ausbesserte, sollen beide seinem Ruf sofort gefolgt sein. Gemeinsam mit Petrus wurden sie zu seinen engsten Vertrauten, Paulus bezeichnete die drei als die »Säulen der Kirche« (Brief an die Galater 2, 9). Jesus soll die beiden Söhne des Zebedäus als »Söhne des Donners« (»Boanerges«) bezeichnet haben (Markusevangelium 3, 17), unter Umständen ein Hinweis auf ihren Eifer und ihren manchmal aufbrausenden Charakter.
Viele Stellen in der Bibel weisen darauf hin, dass Johannes ein besonderer Jünger war. Gemeinsam mit seinem Bruder Jakobus und Petrus begleitete er Jesus bei der Erweckung der Tochter des Jairus (Mark. 5, 37; Luk. 8, 51), seiner Verklärung auf dem Berg Tabor (u. a. Matthiasevangelium 17, 1 ff.) und bei seiner Todesangst im Garten Gethsemane (Mark. 14, 33; Matth. 26, 37ff.). Als einziger der zwölf Apostel folgte Johannes Jesus nach dessen Festnahme bis zum Kreuz, hier vertraute ihm Jesus auch seine Mutter Maria an (die dieser dann in sein Haus aufnahm).
Wie die anderen Apostel wirkte Johannes nach dem Tod und der Auferstehung Jesu zunächst in Palästina. Etwa 15 Jahre später teilten sie sich, um gemäß ihrem Auftrag die Botschaft vom Reich Gottes überallhin zu verbreiten. Johannes reiste vermutlich nach Kleinasien in die Stadt Ephesos (heute Ruinenfeld bei Selçuk an der Ägäisküste derWesttürkei), später wurde er im Rahmen der Christenverfolgung unter Kaiser Domitian (81–96) auf die Insel Patmos verbannt. In der Zeit der Verbannung soll Johannes die »Apokalypse« geschrieben haben, die »Offenbarung des Johannes«, das letztes Buch des Neuen Testaments. Hier gibt es aber viele kritische Stimmen, die an der Urheberschaft des Apostels zweifeln.
Nach dem Ende der Verbannung ging Johannes zurück nach Ephesos, wo er in sehr hohem Alter eines natürlichen Todes starb. Das »Vierte Evangelium« des Johannes soll bei seinem zweiten Aufenthalt in Ephesos geschrieben worden sein.
Über seinem Grab ließ Kaiserin Helena (Mutter des Kaisers Konstantin des Großen; Heilige) eine Kirche bauen, die unter Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert durch einen großen Prachtbau ersetzt wurde.
Viele Legenden entstanden um das Leben von Johannes dem Evangelisten; z. B. wurde berichtet, dass Johannes nach seiner Verhaftung nach Rom geschickt wurde, wo er vor der Porta Latina in einen Kessel mit siedendem Öl geworfen wurde. Das heiße Öl soll sich in Wasser verwandelt und Johannes alles unbeschadet überstanden haben. Eine andere Legende erzählt von Johannes’ Begegnung mit dem heidnischen Priester Aristodemos (Abdias) im Artemis-Tempel in Ephesos. Dessen Giftbecher konnte Johannes unbeschadet austrinken, nachdem er ihn gesegnet hatte. Als er daraufhin noch die zwei Mörder, die das Gift als Erste testen mussten, wieder zum Leben erweckte, soll das den Priester so beeindruckt haben, dass er sich bekehren ließ.
Am Festtag des Heiligen, dem 27. Dezember, wird heute teilweise noch der »Johanneswein« zu Ehren des Evangelisten geweiht und den Gläubigen gereicht.
Johannes ist Kanonheiliger der katholischen Kirche, d. h. sein Name wird – wie auch die der anderen elf Apostel – im Messkanon, dem Hochgebet, genannt.

Darstellung: in der byzantinischen Kunst meist als bärtiger Greis; in der abendländischen Kunst als bartloser Jüngling (jüngster Apostel) meist in grüner Tunika und rotemMantel; oft zusammen mit den anderen Aposteln und Jesus (z. B. beim Letzten Abendmahl); mit Maria unter dem Kreuz

Attribute: Buch oder Schriftrolle (Evangelium), Schreibfeder, Tintenfass, Adler (wegen seiner »hohen Theologie«), Kelch mit Schlange oder Drachen (Sinnbild für den Versuch, ihn zu vergiften), Kessel mit siedendem Öl (legendäre Ölmarter)

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010

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